

Ratten vermehren sich stark. Sie brauchen zunehmend Lebensraum, denn der Bestand hat das Bestreben, sich auszubreiten – horizontal, aber auch vertikal. Der Konzentrationsausgleich bewirkt, dass durch Bekämpfungen befallsfrei oder befallsarm gewordene Areale erneut besetzt werden, und zwar umso rascher, je kleiner das Areal war.
Nach einer 90 %igen Tilgung kann die Population in 6 Monaten wieder auf dem alten Stand sein, bei 50 %iger Tilgung schon nach 3 Monaten.
Pendelverkehr:
Dass Ratten über und unter der Erde kommunizieren, wird oft aus der identischen Lage der Befalls-Schwerpunkte klar. Unter Marktplätzen, Schlachtereien, Restaurants, Hotels, Krankenhäusern und anderen Großküchenbetrieben als Abfall-Lieferanten ist sehr häufig auch das Abwassernetz befallen.
Bekämpfungen hier führen zum Verschwinden der oberirdischen Ratten.
Neben Ratten, die oberirdisch hausen und unterirdisch fressen – oder umgekehrt – gibt es auch solche, die zeitlebens im Abwassernetz bleiben, wo übrigens die Vorraussetzungen für eine besonders rasche Vermehrung gegeben sind. Überstauungen bei Katastrophenregen töten immer nur einen kleinen Teil der Population.
Signale:
Ob ein Kanal befallen ist, lässt sich bei begehbaren Hauptsammlern ziemlich leicht feststellen (angefressene Köder oder Abfälle; frischer, glänzender Kot auf den Banketten). Viel kritischer sind aber die kleinen Seitenkanäle. Hier führen nur Probeauslegungen zum Ziel.
Bei geringerer Populationsdichte ist immer nur ein Teil des Abwassernetzes befallen, wobei die Lage der Befallsstellen ziemlich konstant bleibt.
Mischsystem/Trennsystem:
Beim „Mischsystem“ wohnen die Ratten häufig in toten, trockenliegenden Leitungen(speziell Hausanschlüsse) und beim „Trennsystem“ in den meist trockenliegenden Regenrohren, von wo aus via „Überlauf“ der Schmutzwasserkanal zur Nahrungsaufnahme besucht wird.
Aktionsradius:
Die Frage nach dem Aktionsradius der Ratten lässt sich nur ungefähr beantworten. Er hängt eng mit der Entfernung zwischen trockener Aufenthaltsmöglichkeit (Nistplatz) und Futterquelle zusammen. Bei Kontrollversuchen fand man Entfernungen von fünfzig bis zu einigen hundert Metern nach beiden Seiten. Die kürzeren Entfernungen sind häufiger.
Entsprechend schwer ist es, genaue Angaben über die Zahl der Köderstellen und den Köder-Bedarf zu machen.
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